H4-1 Einsatz des Personals

Bärbel Dangel

In der Praxis stellt sich häufig die Frage, wie Aufgaben und Stellenbeschreibungen für Pflegefachkräfte und Pflegekräfte formuliert sein sollen, um dem Rahmen der jeweiligen beruflichen Kompetenzen zu entsprechen und um die Tätigkeit in der Einrichtung für die Interessentinnen und Interessenten attraktiv zu machen. 

Aufgabenbeschreibungen

Grundlagen der Aufgabenbeschreibungen für das Fachpersonal sind die verbindlichen Regelungen der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen, das heißt die geltenden Gesetze zur Ausbildung und zu Leistungen, ihre untergesetzlichen Regelungen und die vertraglichen Vereinbarungen mit den Trägern der Versorgung.¹

Übergeordnet sind die auf die pflegebedürftigen Menschen bezogenen grundrechtlichen Festlegungen zu Autonomie und Selbstbestimmung mit all ihren Querverbindungen zum Leben, Wohnen und Versorgung in einer stationären pflegerischen Einrichtung einschließlich der Mitwirkung und der Einbeziehung des Umfelds. Hinzu treten die Verbindlichkeiten zur Versorgungsqualität und zur Qualitätssicherung. 

Darüber hinaus bestehen Regelungen, die der Träger der Einrichtungen für Pflegefachkräfte, Abläufe und Zuständigkeiten trifft. Konzepte des Trägers oder der Einrichtung geben für die Arbeit eine Orientierung vor, zum Beispiel durch Bewohnerorientierung, legen eine „Philosophie“ der Einrichtung, ein Leitbild, allgemeine Ziele oder Handlungsgrundsätze fest.

Geltende Regelungen sowie normative und ethische Grundlagen sollten die Abläufe in Einrichtungen strukturieren, weil nur so zu erwarten ist, dass ausufernde Detailabstimmungen, Einzelfallabsprachen und Einzelregelungen im Rahmen gehalten und so Verhaltenssicherheit erreicht werden kann. Solche generellen Festlegungen sind auch hilfreich, um Konflikte zu vermeiden sowie Zeit und Mittel zu sparen. 

Aus diesen Vorgaben folgen Kriterien, die Gegenstände, Inhalte und Abläufe der Arbeit in der Einrichtung charakterisieren und in Dokumenten wie Arbeitsplatzbeschreibungen, Verträgen, in Stellenbeschreibungen und Einarbeitungskonzepten zu finden sein sollten.

Personaleinsatz aus pflegefachlicher Sicht

Pflegefachlich sind bereichs- und berufespezifische Besonderheiten zu beachten: Pflege und ihr Handeln ist rechtlich als Katalog der bundesstaatlich geregelten Ausbildung geschützt. Dies ist insofern von Bedeutung, weil sich die staatliche Beruferegelung aus der Gefährdung der Gesundheit von Menschen herleitet (Grundgesetz Art. 74). Ein geregelter Schutz der praktischen Pflege fehlt weitgehend.² Er kann sich aus den Schlussfolgerungen der in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen ergeben. Hinzu treten Regelungen des Sozial-, Gesundheits- und anderer Rechtsbereiche sowie vertragliche Regelungen der Zulassung, der Leistung und der Finanzierung. 

Für die Pflege sind beruferechtlich selbständige Aufgaben, die selbständige Durchführung angeordneter Aufgaben und die Mitwirkung bei gemeinsamen Aufgaben geregelt. 

Innerhalb der Pflege sind Aufgaben festgelegt, die ausschließlich von einer Fachkraft ausgeführt werden dürfen, und es gibt delegierbare Aufgaben, für die unterschiedliche Voraussetzungen bestehen. (siehe Kapitel H2-1.2) Da hierzu keine generellen Regelungen existieren, werden Konfliktfälle meist gerichtlich in Einzelfällen entschieden. Das kürzlich beschlossene Pflegeberufegesetz wird durch die Definition eines Berufsvorbehalts etwas mehr an Klarheit und Verlässlichkeit schaffen. 

Die Ausführungen im Heft 1 (siehe Kapitel H1-1) und 2 (siehe Kapitel H2-1.1, Kapitel H2-1.2 und Kapitel H2-2) setzen sich mit diesen Problematiken auseinander und referieren Kriterien, die für die fachliche Pflege in Eigenständigkeit und Delegation strukturbildend sein sollten. Entsprechend sollte das Pflegehandeln einer Einrichtung ausgerichtet sein. Die hier vorgelegten Materialien bieten Kriterien und Orientierungen. 

Zwei Aspekte sollen hervorgehoben werden. 

Erstens: Die „Elf Anforderungen an Pflegefachkräfte“ (siehe Kapitel H2-1.2) verbinden den normativen Hintergrund mit den in der Berufspraxis erörterten Problematiken, entsprechend den fachlichen Voraussetzungen und der Wahrnehmung und der Beobachtung in der Praxis. 

Zweitens: Die Ausführungen zur Delegation (siehe insbesondere Kapitel H2-1.2) bieten beispielhaft Muster für die Strukturierung der pflegefachlichen Versorgung nach fachlichen Kriterien. Da dies dem allgemeinem Verständnis und den generellen Festlegungen folgt, vereinfachen die in der Arbeitshilfe vermittelten Instrumente auch den Umgang mit Innovationen beim Fachpersonal, dessen qualifizierte Rekrutierung und Bindung an den Träger zukünftig von ausschlaggebender Bedeutung für das gesamte Unternehmen sein wird.

Eine Stellenbeschreibung ist – so gesehen – eine Visitenkarte der Einrichtung und des Trägers:

  • sie drückt die „Philosophie“ und den Normenbezug aus, 
  • orientiert auf angestrebte Qualifikation, zeitgemäß: legt erforderliches Wissen und Kompetenzen zugrunde, 
  • beschreibt Ziele, Handlungsformen, Selbständigkeit und Verantwortung im zu besetzenden Bereich, 
  • erläutert den Teambezug in Handeln und Bildung, 
  • klärt die Reflexion von Arbeit und Qualität, 
  • weist Möglichkeiten der Qualifikation und Weiterentwicklung, des Kompetenzerwerbs, der Spezialisierung oder des Aufstiegs aus, 
  • benennt die Einordnung in die Struktur der Einrichtung und 
  • vor allem die Pflegebedürftigenorientierung und den Bezug zu Angehörigen.

(Arbeitshilfe AH4-1.1a, Arbeitshilfe AH4-1.1b, Arbeitshilfe AH4-1.1c)

Arbeitsplatzbeschreibungen vermitteln die wesentlichen Handlungsebenen und Funktionen entsprechend dem einrichtungs- bzw. trägerspezifischen (modernen) fachlichen Handlungskonzept.

Vor dem Hintergrund des Lebensorts der Menschen und der grundrechtlich geschützten Individualität können folgende Elemente und Kriterien die Arbeitsplätze qualifizierend beschreiben:

  • der Zugang und Umgang mit pflegebedürftigen Menschen,
  • Form und Ebene der Kommunikation,
  • das gemeinschaftliche Sozialkonzept (z.B. Bewohnerorientierung, usw.),
  • das kulturelle Konzept (z.B. gegenseitige, moderierte, externe Angebote zur Unterhaltung),
  • das fachliche Handlungskonzept (z.B. Bezugspflege, usw.),
  • das Konzept des Zugangs von pflegebedürftigen Menschen, des Austritts in andere Lebens- oder Versorgungszusammenhänge,
  • das Konzept der Aktivierung, Beteiligung, Rehabilitation, Integration,
  • das Handlungs-Steuerungskonzept.

Vor dem Hintergrund des Arbeitsorts werden die wesentlichen Strukturen des fachlichen Arbeitsbereichs festzulegen sein:

  • die fachliche Leitung und Vertretung (quantitativ und qualitativ),
  • die Binnenstrukturierung des Fachpersonals (Bezugsgruppen, usw.),
  • die Wahrnehmung der fachlichen Aufgabenspektren, Verantwortungen, Vorbehalte, Delegationen und daraus folgend Qualifikationsanforderungen,
  • fachliche Übergaben, Überleitung, Versorgungsübergänge,
  • fachliche Schwerpunktbildungen in Praxis und Theorie,
  • Einarbeitungen,
  • fachliche Kommunikation,
  • Formen und Kriterien der Dokumentation (Print, EDV, Archivierung, usw.),
  • institutionalisierte Fort- und Weiterbildung,
  • Umgang, Anleitung, Arbeit mit Auszubildenden, Praktikanten, Studierenden, Hospitanten, Besucherinnen und Besuchern,
  • Organisierung Kollegialer Beratung, Verankerung und Transparenz der Prozesse,
  • berufsübergreifende, klientelbezogene Zusammenarbeit, fachliche Transfers an Schnittstellen, interdisziplinäre Kompetenzbildung,
  • eigen- und interprofessionelle Qualitätsdiskurse oder Qualitätssicherungen,
  • perspektivische Entwicklungs- oder Qualifikationsprozesse (berufsbegleitend, auf Zertifikatsebene, in Brückenangeboten, usw.),
  • Sicherung der Nachhaltigkeit der Prozesse,
  • Verregeln wichtiger fachlicher oder organisatorischer Konsense.

Handlungsbedarf

Handlungsbedarf kann im Hinblick auf die Überprüfung von Kriterien in den Bereichen der eigenen Arbeit, der eigenen Institution und einer Transformation oder Modifikation hinsichtlich erweiterter oder neuer Zielsetzungen bestehen. Diese Kriterien aufzunehmen, wird der Einrichtung sicherlich durch Veränderungen der Bewohnerschaft oder der erforderlichen Qualifikationsprofile der Fachpersonen nicht erspart bleiben. Diese Prozesse können unter Nutzung der hier angebotenen Arbeitshilfen oder in deren Ergänzung oder Weiterentwicklung kanalisiert werden.

Entwicklungsbedarfe, die ein Team für sich sieht oder erarbeitet, sollten nach Ziel, Inhalt, Zeit- und Maßnahmenplanung prozessual gestaltet und schrittweise umgesetzt werden. Moderation und Förderung durch den Träger wären sinnvoll. Sie können von einer Normstrukturierung ausgehen und anschließend qualifizierende oder profilierende Zielsetzungen ansteuern. 

Kooperationsstrukturen 

Kooperationen gewinnen in der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen eine zunehmende Bedeutung auf allen Ebenen der Einrichtung. Sie betreffen die Angehörigen, ihre Einbeziehung (ggf. Beteiligung), ihre Verankerung in der Struktur und in funktionale Zusammenhänge der Einrichtung. Darüber hinaus ist die Vernetzung mit der Selbsthilfe, den Organisationen der Ehrenamtlichen und den gemeindlichen Strukturen von Bedeutung. 

Auf fachlicher Ebene sind innerberufliche und interberufliche Zusammenarbeiten zu unterscheiden. Bereits erwähnt wurden die eigenberuflichen Gruppenstrukturen, die fachlichen Schwerpunktbildungen oder die Kollegialen Beratungen. Interberuflich geht es um überdisziplinäre Verständigung und Zusammenarbeit. Sie kann sich auf Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder andere richten. Hinsichtlich der Zielsetzung der Zusammenarbeit kann es um Fallbearbeitung, Fallkonferenzen, Teamkonferenzen, Qualitätskonferenzen, Peer-Funktionen o.a. gehen. Die Orientierung der Kooperation kann unterschiedlich sein, beispielweise hinsichtlich Bildung bzw. Fortbildung, Pflege, Behandlung, institutionelle Organisation oder Abläufe. 


Fußnoten

1  Beispielsweise das Kranken- und Altenpflegegesetz, Pflegeberufegesetz, Pflegeversicherungs-, Krankenversicherungsgesetz, Versorgungsverträge.

2  Er wird zu einem kleinen Teil im neuen Pflegeberufegesetz geregelt (Vorbehalt, durch Kompetenzen konkretisiert).


Updated on 16. September 2019

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