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H3-1 Hilfen zur (Schüler-) Rekrutierung

Silke Michalk

1. Handlungsbedarf

In ihrer Gesamtheit unterliegt die Bevölkerung in Deutschland einem raschen Alterungsprozess. Die Zahl der alten Menschen und ihr Anteil an der Bevölkerung nehmen zu. Da Menschen mit steigendem Alter vermehrt pflegebedürftig sind, wächst auch die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Zwischen 1999 und 2015 ist sie von 2 Millionen auf 2,9 Millionen gestiegen.¹

Der demografische Wandel betrifft die Pflege in doppelter Weise. Mit der Alterung der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach professioneller Pflege. Zugleich sinkt das Arbeitskräftepotenzial, aus dem der Bedarf nach Pflegefachkräften gedeckt werden kann. Bereits heute fehlen in den Pflegeberufen Fachkräfte. Indizien für bestehende Engpässe können aus der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit entnommen werden (Stand: Dezember 2017). Stellenangebote für examinierte Altenpflegefachkräfte und -spezialisten bleiben demnach im Bundesdurchschnitt 171 Tage unbesetzt. Auf 100 gemeldete Stellen (außerhalb der Zeitarbeit) kommen rechnerisch lediglich 29 Arbeitsuchende.

Aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der Zahl der Pflegebedürftigen wird auch der Bedarf an Pflegekräften in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen. Dementsprechend müssen auch mehr Pflegefachkräfte ausgebildet werden. Schon heute können nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Daher sind die Einrichtungen darauf angewiesen, neue Wege bei der Rekrutierung von Personal zu gehen.

2. Ziel

Die Einrichtungen sollen dabei unterstützt werden, Maßnahmen zu ergreifen, um langfristig sowohl ausreichend als auch gute Auszubildende zu gewinnen und um diese auch an sich zu binden.

Zur Unterstützung wird zunächst eine Tabelle mit möglichen Maßnahmen dargestellt, die auch die Situation in der Einrichtung widerspiegelt. Dadurch erhält die Einrichtung eine Übersicht, was in ihrer speziellen Situation handhabbare Maßnahmen sein können.

Der Entwicklungsprozess vom Schüler bzw. von der Schülerin zum Auszubildenden beinhaltet drei Schritte:

Die folgenden Ausführungen legen den Schwerpunkt auf die Rekrutierung von Auszubildenden, eignen sich aber in großen Teilen auch für die Rekrutierung von zukünftigen Beschäftigten.

3. Beschreibung möglicher Vorgehensweisen

Im Folgenden wird eine Übersicht über die gebräuchlichsten Aktivitäten zur Rekrutierung von Auszubildenden aufgezeigt. Die folgende Tabelle enthält dabei Maßnahmen, die sowohl unter den Aspekt „aufmerksam machen“ als auch „attraktiv machen“ fallen.¹

Bei der Planung von Rekrutierungsvorhaben ist es wichtig, die eigene Einrichtung und die möglichen Ressourcen vor Augen zu haben, die für die einzelnen Maßnahmen benötigt werden. Es ist besser, eine Maßnahme richtig und konsequent durchzuführen, als vieles zu beginnen, aber aufgrund begrenzter Ressourcen (z.B. in der personellen Ausstattung) nur halbherzig auszuführen. Dabei sollte jede Einrichtung überlegen, was aktuell gut zu ihr passt und ob das entsprechende Personal vorhanden ist, um dies auch umzusetzen.

Zu Nr. 1 Unterrichtliche Aktivitäten

Der direkte Kontakt zu nahezu gleichaltrigen Jugendlichen fördert eine realistische Sichtweise im Hinblick auf den Bewerbungsprozess, die Ausbildung sowie auf die Probleme des Arbeitsalltags.

Zu Nr. 2 Soziales Engagement von Schulen

An vielen Schulen wird im Rahmen des Unterrichts oder in Arbeitsgemeinschaften soziales Engagement der Schüler und Schülerinnen gefördert. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel der regelmäßige Besuch einer Einrichtung, um mit den Bewohnern und Bewohnerinnen zusammen etwas zu unternehmen.

Zu Nr. 3 Am Zukunftstag (Tag, um Berufe kennenzulernen) teilnehmen

Der Zukunftstag ist eine gute Gelegenheit zum ersten Kennenlernen zwischen potenziellen Nachwuchskräften und Einrichtungen. Ziel ist es, Mädchen und Jungen mit für sie eher „untypischen“ Berufen vertraut zu machen. Der Aktionstag findet jährlich Ende April in den teilnehmenden Organisationen statt.

Zu Nr. 4 Angebot von Schülerpraktika

Durch die Arbeitstätigkeit, das Kennenlernen von betrieblichen Arbeitsbedingungen und Arbeitsabläufen werden Kenntnisse über Arbeitsprozesse, die im Unterricht gewonnen wurden, für die Schüler bzw. Schülerinnen anschaulicher, tiefer und breiter. Um Schülerpraktika als effektiven Weg zur beruflichen Orientierung nutzen zu können, müssen alle Beteiligten diese Form als einen wesentlichen Bestandteil des schuleigenen Konzeptes zur Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung erfassen.

Dabei ist darauf zu achten, dass im Praktikumsbetrieb für die Lernenden im Praktikum sinnvolle Aufgaben zur Verfügung stehen. Häufig sind Praktika für die Schüler bzw. Schülerinnen nicht befriedigend, weil die dort zu erledigenden Arbeiten nicht dem angestrebten Berufsziel entsprechen. Diesem kann entgegengewirkt werden, indem sich das Praktikumsunternehmen im Vorfeld eine Aufgabe für die Praktikanten überlegt, die mit dem gewünschten Berufsziel in Verbindung steht. Empfohlen werden kann, die Praktikanten bzw. Praktikantinnen als „Schatten“ bei Mitarbeitenden mitlaufen zu lassen oder eine komplexe Aufgabe für die Dauer des Praktikums mitzugeben (z.B. die Erstellung eines Bewohnerprofils). Durch die Arbeit lernen die Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen besser kennen und überprüfen, ob ihr Berufswunsch realistisch ist. Die Arbeitszeiten richten sich nach den Gegebenheiten im Betrieb. Dadurch erleben die Jugendlichen den Ablauf eines kompletten Arbeitstages mit allen anfallenden Arbeiten.

Wichtig ist auch die Betreuung des Praktikums durch die Lehrkräfte, um die Erfahrungen im Unterricht wieder aufgreifen zu können.

Zu Nr. 5 (Ausbildungs-) Messen

Auf Messen und Informationsveranstaltungen erhalten Schülerinnen bzw. Schüler sowie Eltern eine aktuelle und praxisnahe Berufsinformation, und zwar aus erster Hand von Anleitenden in der Ausbildung, Auszubildenden und Vertretenden aus Einrichtungen und Berufsschulen. Diese Veranstaltungen werden von der Arbeitsagentur sowie von Kammern, Berufsschulzentren und anderen Organisationen und Unternehmen organisiert. Ziel dieser praxisbezogenen Orientierung ist die gezielte Information über Berufe und Berufsfelder.

Für die Werbung geeignet sind gesammelte schriftliche Erfahrungsgeschichten aus der Einrichtung, die Mut machen, sich den hohen Anforderungen zu stellen und die die Besonderheiten der Tätigkeiten in der Altenpflege darstellen.

Zu Nr. 6 Tag der offenen Tür in der Einrichtung

Ein Tag der offenen Tür kann auf der einen Seite als Werbung für zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner, auf der anderen Seite aber auch für die Darstellung als attraktiver Arbeitgeber genutzt werden. Während der Schwerpunkt bisher meistens in der Werbung zukünftiger Bewohner bzw. Bewohnerinnen lag, können diese Veranstaltungen auch gut genutzt werden, um auf die Berufe in der Pflege aufmerksam zu machen. Neben den üblichen Aktivitäten (z.B. Führung durch das Haus, Angebot von Kaffee und Kuchen, Vorstellung einzelner Betreuungsangebote) können gezielt Eltern und Schüler bzw. Schülerinnen eingeladen werden, sich die Einrichtung anzusehen und Fragen zu den möglichen Berufen zu stellen.

Zu Nr. 7 Nutzung des Internets

Das Erstellen einer eigenen Homepage hat häufig zum Ziel, bei potenziellen Kunden und Kundinnen auf die Einrichtung aufmerksam zu machen. Die Homepage kann jedoch auch sehr gut für die Rekrutierung von Beschäftigten und Auszubildenden genutzt werden.

Wichtig dafür ist ein eigener Bereich, der möglichst leicht zu finden ist und in dem alle wesentlichen Informationen zu den Berufen und zu freien Stellen zugänglich sind.

Sind zukünftige Auszubildende durch eine der oben genannten Maßnahmen gewonnen worden, dann sollten diese möglichst an das Unternehmen gebunden werden.

Dabei erfolgt die Bindung nicht erst dann, wenn die Ausbildung beginnt, sondern schon früher. In der Regel vergehen zwischen der Vereinbarung, eine Ausbildung zu beginnen, und dem Ausbildungsbeginn einige Monate. In dieser Phase besteht immer die Gefahr, dass sich der Schüler bzw. die Schülerin noch umentscheidet und eine andere Ausbildung aufnimmt. Daher beginnt die Phase der Anbindung schon hier.

  • Mögliche Aktivitäten zur Anbindung der Schülerinnen bzw. Schüler an die Einrichtung vor Beginn der Ausbildung:
  • zu besonderen Anlässen in der Einrichtung einladen (z.B. Sommerfest, Ausflüge oder besondere Aktivitäten),
  • Informationen über die Einrichtung zusenden,
  • Einrichtungszeitung oder Infobrief zusenden (falls vorhanden),
  • ein bis zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn einen Plan für die ersten Arbeitstage zusenden.
  • Einbindung während der Ausbildung:
  • Teilnahme an Dienstübergaben und/oder Teamberatungen ermöglichen,
  • regelmäßige Feedback-Gespräche sowohl durch die Praxisanleitung als auch durch die PDL durchführen; dabei den Auszubildenden ein Feedback geben,
  • Feedback der Auszubildenden einfordern,
  • frühzeitig Perspektiven aufzeigen: Welche Möglichkeiten der Beschäftigung und/oder der Qualifizierung bestehen nach der Ausbildung?

Literatur

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Blickpunkt Arbeitsmarkt.
Fachkräfteengpassanalyse (Stand: Dezember 2017)

Demografieportal des Bundes und der Länder, Anzahl der Pflegebedürftigen steigt vor allem bei den Hochbetagten, online https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Pflegebeduerftige_Anzahl.html (letzter Zugriff am 13.10.2018)

Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (Hrsg.): Webseite Zukunftstag für Mädchen und Jungen in Brandenburg, online http://zukunftstagbrandenburg.de (letzter Zugriff am 13.10.2018)

Service-Learning in Deutschland gGmbH,
online http://www.service-learning.de (letzter Zugriff am 13.10.2018)

Netzwerk Lernen durch Engagement (2018), online https://www.servicelearning.de/praxis/netzwerk-lernen-durch-engagement (letzter Zugriff am 28.11.2018)


Fußnote

1 www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Pflegebeduerftige_Anzahl.html
(letzter Zugriff am 13.10.2018 )


Updated on 12. Juli 2019

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