Einleitung

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Handbuch bietet interessierten Pflegeeinrichtungen Empfehlungen für die tägliche Arbeit. Hintergrund sind Erfahrungen und Ergebnisse, die in dem vom Land Brandenburg von November 2015 bis Januar 2018 geförderten Projekt „Anforderungen an Pflegefachkräfte ‒ Entwicklung innovativer Personaleinsatz- und Personalentwicklungskonzepte“ in sechs Referenzeinrichtungen der stationären Langzeitpflege gemacht wurden.

Unser Ziel ist es, Anregungen zu geben, wie der Personaleinsatz entsprechend der Qualifikation des Personals und der Bewohnerorientierung umzugestalten ist. Hinweise zu erforderlichen Fort- und Weiterbildungen können aufgegriffen und genutzt werden. Leitgedanken sind dabei, Personal aufgaben- und qualifikationsgerecht sowie regelungskonform einzusetzen, so dass die fachliche Leistungserbringung stimmig ist, die einzelnen Bewohner beteiligend als Personen adressiert werden und dies der Philosophie und der Ausrichtung der jeweiligen Einrichtung entspricht. Damit sollen auch die Perspektiven der Erbringer pflegerischer Leistungen unter sich wandelnden Bedingungen berücksichtigt werden 

Das ist jedoch nur leistbar, wenn das Personal die Möglichkeit hat, seine Ressourcen abzurufen. Deshalb werden im Handbuch nicht nur Wege zur Sicherung der Fachlichkeit aufgezeigt, sondern auch Möglichkeiten zur Entwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit soll erreicht werden, dass sich die Einrichtungen den veränderten Bedingungen anpassen können. Sie sollen dabei unterstützt werden, sich profilieren und sich wirtschaftlich sicher aufzustellen zu können.

Dieses Handbuch soll

  • den rechtlichen Rahmenbedingungen folgen und fachlich gesichert sein,
  • trotz der verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen in der stationäre Pflege ermutigen, Verbesserungen umzusetzen.

Dabei wird berücksichtigt, dass jede Einrichtung eine eigenständige Einheit ist und sich von anderen Einrichtungen unterscheidet. Wir haben uns bemüht, diese Unterschiede in die Ausführungen einfließen zu lassen. Manche Empfehlungen erscheinen möglicherweise längst plausibel, andere weniger. Nicht jede Einrichtung benötigt die hier dargestellten „Hebel“ für die für sie wichtigen Entwicklungen. Wir haben diejenigen Hinweise auf Verbesserungen aufgenommen und begründet, die aus den Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den sechs Referenzeinrichtungen resultieren und generell als relevant angesehen werden.

Im Projekt ging es generell um die Qualifizierung und Justierung der Tätigkeit der Pflegefachkräfte. Im Projektverlauf stellte sich aber immer mehr heraus, dass es um alle beteiligten Berufe geht, da für eine bewohnerorientierte Versorgung das Zusammenspiel all derer erforderlich ist, die an der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner beteiligt sind. Für die Umsetzung kommt der pflegefachlichen Steuerung von fachlich-inhaltlichen und organisatorischen Aspekten der Versorgung erhebliche Bedeutung zu. Im Laufe des Projektes stellte sich außerdem heraus, dass ein großer Unterstützungsbedarf im Bereich des Recruiting und der praktischen Ausbildung bestand.

Auf Grundlage der Empfehlungen im Handbuch können stationäre Einrichtungen ihre Entwicklung spezifisch steuern oder Entwicklungs- und Lernprozesse initiieren. Dabei sollen die Veränderungsprozesse im laufenden Betrieb zu bewältigen sein. 

Das meint:

  • Raum zu schaffen, wo wenig Raum ist, d.h. Zeit in anderer Weise zu nutzen, um Bewohnerinnen und Bewohner ein Leben zu ermöglichen, das ihren Bedarfen und Bedürfnissen entspricht,
  • Strukturen und Abläufe zu verändern, um eine Orientierung am Alltag für Bewohnerinnen und Bewohner zu realisieren,
  • Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe als Grundlage der Versorgung in den Vordergrund zu stellen,
  • Pflegefachkräfte und die weiteren beteiligten Berufe entsprechend ihrer Aufgaben und Verantwortung einzusetzen,
  • sich klar darüber zu sein, dass viele Faktoren gleichzeitig auf das Geschehen wirken und Prozesse, Entwicklungen und Veränderungen begrenzen können. Das bedeutet, sich auf die Umsetzung zu konzentrieren, sie durch geeignete Bedingungen zu ermöglichen und auftretende Schwierigkeiten „anzugehen“. Die Leitungs- und die Trägerebene sollten Veränderungsprozesse fördernd unterstützen.

Das Handbuch enthält Hinweise, Instrumente, Erläuterungen und Arbeitsmaterialien, die ‒ auch einzeln genutzt ‒ Hilfestellungen anbieten und als Anregung für Maßnahmen und Aktivitäten dienen können. Die Arbeitshilfen verstehen sich als Pool von Angeboten, die auf die konkrete Situation und Entwicklung in der Einrichtung zugeschnitten werden können.

Wir empfehlen Ihnen, sich zunächst nur mit einzelnen Handlungsfeldern zu beschäftigen und dort mit Veränderungen anzusetzen. Erst wenn diese in Strukturen und Abläufe etabliert sind und damit auch Erfolge für die Beschäftigten sichtbar werden und Haltungen reifen, sollten weitere Anliegen aufgegriffen werden. Andernfalls könnten hohe Belastungen und Unübersichtlichkeiten für die Beschäftigten zu Frustration führen, wenn aufgrund vieler parallel angeschobener Veränderungen keine Verbesserungen wirksam werden.

Das Handbuch besteht aus 7 Heften.

In den Heften 1 und 2 werden die Rahmenbedingungen im Hinblick auf die rechtlichen Regelungen, die die Pflege und die pflegerische Versorgung in vollstationären Pflegeeinrichtungen betreffen, kurz skizziert.

Das Heft 2 gibt außerdem pflegefachliche Empfehlungen für jetzige und zukünftige Anforderungen. Es werden Anforderungen an Pflegefachkräfte als Verantwortliche für die pflegerische Leistungserbringung im Rahmen des Versorgungskonzeptes der Einrichtung in Übereinstimmungen mit den geltenden Normen und Regelungen beschrieben, und zwar im Hinblick auf:

  • die Binnenwirkung der Versorgung innerhalb der Einrichtung (Umsetzung der fachlichen Grundlagen: Pflegeprozess, Expertenstandards, Erhebung und Einschätzung von Bedarfen, Bewohnerorientierung, Delegation, Steuerung und Gestaltung, usw.),
  • die Regelungen zur Dokumentation, Verpflichtung, Einsichtnahme, Nutzung und die Grenzen des Umgangs,
  • bewohnerorientierte Prozesse der Versorgung, der Beteiligung des Umgangs und des Umfelds,
  • externe Anforderungen (Datenschutz, Information, Beratung von Angehörigen, usw.).

Die Hefte 3 bis 7 legen den Schwerpunkt auf die Personal- und Organisationsentwicklung. In den Heften 3 bis 6 werden unterstützende Strukturen und Methoden vorgestellt. Dabei wird die Einrichtung als Ganzes betrachtet, in ihren Binnen- und Außenstrukturen und in ihren Prozessen. Ein besonders wichtiges Thema für viele Einrichtungen ist die Personalbindung, das als Querschnittsthema in so gut wie allen Punkten enthalten ist.

Das Heft 3 legt den Schwerpunkt auf die Rekrutierung und die Ausbildung. 

Das Heft 4 widmet sich den Themen Einarbeitung und Koordination des Arbeitseinsatzes.

Das Heft 5 bietet Hilfen zur Weitegabe, Generierung und Transfer von Wissen.

Das Heft 6 beschäftigt sich mit der Einbindung von Angehörigen und Freiwilligen. 

Das Heft 7 nimmt die Erfahrungen mit strukturellen Veränderungen auf. In dem zweijährigen Praxisprojekt konnten im Zuge bereits kleinerer Interventionen und Schulungen fördernde und limitierende Faktoren identifiziert werden, die speziell in der stationären Pflege Veränderungsintentionen beeinflussen. Daraus entstanden Hinweise für Veränderungsprozesse, die insbesondere die folgenden Themen betreffen:

  • Auswahl und Rangfolge von Innovationen,
  • Information und Kommunikation,
  • Mitarbeiterbeteiligung,
  • Rolle der Führungskräfte,
  • Veränderungsbereitschaft und Haltung,
  • Erfahrung und Widerstände,
  • Nutzerperspektive: Bewohner und Bewohnerinnen auf Veränderungen vorbereiten.

Zum Gebrauch des Handbuchs 

Die Hefte sind jeweils in mehrere Haupttexte mit generellen Beschreibungen eines Themas und weiterführenden Informationen (Links, Literaturempfehlungen, usw.) untergliedert. Den Haupttexten zugeordnet sind Arbeitshilfen, die u.a. Instrumente, Checklisten, Formulare, Richtlinien umfassen. Diese wurden gemeinsam mit den Referenzeinrichtungen erarbeitet und teilweise erprobt. Somit sind sie gut geeignet für den Einsatz in der täglichen Praxis. Alle Abbildungen und Arbeitshilfen unterliegen dem Copyright der Autorinnen und Autoren.

Abschließend möchten wir Sie ermutigen, Kontakt mit uns aufzunehmen, wenn Sie Anregungen haben oder Wissen aus Ihrer Praxis teilen wollen. Damit unterstützen Sie uns, Informationen und Wissen für ein bewohnerorientiertes Leben und eine angemessene Versorgung in der stationären Langzeitpflege in Bewegung zu halten.

Wir hoffen, dass Sie mit dem Handbuch möglichst viele Anregungen für Ihre Praxis erhalten, die Ihnen Mut machen, weiterhin gut zu arbeiten und neue Ideen anzupacken. 


Updated on 8. Juni 2019

Verbundene Beiträge